Früher war euer Sexleben so prickelnd! Doch der elektrisierenden Anziehung und die verliebten Blicke sind mittlerweile Haushalts- und Elternpflichten gewichen. Die Bettlaken werden lediglich mit Schlaf assoziiert. Der gute Nacht-Kuss bleibt die einzige Berührung im Bett.

Sex in langen Beziehung unterscheidet sich fundamental von dem der Anfangsphase. In diesem Artikel möchte ich dir Anregungen geben, damit Sexualität in deiner Langzeitbeziehung wieder den nötigen Raum zu geben.

1. Akzeptiere, dass Sexualität sich im Laufe der Zeit verändert

Stress ist der Feind von Sinnlichkeit und Sexualität. Wenn Du also krampfhaft dem Sexleben der ersten Monate und Jahre nacheiferst, tust Du dir und deinem Partner/ deiner Partnerin keinen Gefallen. Denn Fakt ist: Sexualität verändert sich mit der Zeit. Und das bezieht sich nicht nur auf die Häufigkeit, sondern auch auf die Art und Weise des Liebesspiels.

Zahlen diverser Studien untermauern das: 50% der fest Liierten haben weniger als 1 mal wöchentlich Sex. Jeder sechste in einer festen Beziehung hatte im vergangenen Monat gar keinen Verkehr. Meine Erfahrungs als Paartherapetin sagt mir: Diese Zahlen sind sogar eher noch übertrieben.

Die Gründe finden sich zum Teil in veränderten Lebensumständen: Vielleicht sind nun Kinder im Spiel. Oder die berufliche Welt ist für mindestens eine Person signifikant stressiger geworden und mit mehr Verantwortung verbunden.

Biologische Gründe verändern das Sexleben von Langzeitbeziehungen

Wichtig ist, dass ihr über die veränderten Bedürfnisse sprecht und akzeptiert, dass sich eure Körper und damit auch eure Sexualität verändert. Probiert neue, schonendere Stellungen, erweitert die manuelle und orale Stimulation und nutzt ruhig Toys und Feuchtigkeitscremes um weiterhin ein befriedigendes Liebesspiel zu erleben. Macht euch klar, dass ihr für euch an euerer Sexuulität arbeiten solltet und euren Partner/ eure Partnerin dann auf dem Laufenden haltet- es ist nicht der Job des anderen euch körperlich besser zu kennen als ihr euch selbst.

Und prinzipiell ist es auch nicht schlimm, wenn es seltener zu Sache geht oder der Sex phasenweise komplett ausbleibt, solange beide Partner damit okay sind und niemand unbefriedigt zurück gelassen wird. Fehlender Sex kann sogar ein Zeichen dafür sein, dass sich beide sehr sicher in der Beziehung fühlen und nicht die körperliche Bestätigung benötigen. Oder ihr holt euch über Alltagszärtlichkeiten und viel Kuscheln euer Mass an Nähe ab.

Hier erfährst Du mehr zu diesem Thema:

2. Du willst dein Sexleben in einer Langzeitbeziehung auffrischen? Führe bewusst gute Gespräche!

Was hat Reden mit Sexualität zu tun? In langen Beziehungen besteht die Gefahr, dass beide im Alltag in eine Art Autopilot schalten. Haushalt, Kinder, Job, Hobbies. Alles ist fest getaktet und der eigene Partner oder Partnerin droht dabei “lediglich” als eine weitere Komponente des eigenen Lebens wahrgenommen zu werden. Nicht sehr sexy.

Das spiegelt sich dann schnell in der Kommunikation wieder. Wenn das Pragmatische des Alltags im gemeinsamen Gespräch überwiegt, gehen zwei Welten verloren. Nämlich die Innenwelt beider Partner. 

Doch um regelmäßig in einer Langzeitbeziehung intime Momente zu erleben, benötigt es das Gefühl, wahrgenommen und gesehen zu werden. Und zwar als Person und nicht nur als zu begehrender Körper. Denn Geborgenheit und das Gefühl von Sicherheit wirken mit der Zeit einfach anregender als körperliche Reize oder plumpe Anmachen. 

Das erreicht ihr über bewusste und gute Gespräche, die als Oasen im Alltagstrott fungieren können (Natürlich könnt ihr dabei auch über Alltägliches sprechen). Wichtiger ist, dass ihr einfach präsent seid und euch zeigt, dass ihr füreinander da seid.

Älteres Pärchen beim sprechen

Legt dafür am besten die Handys beiseite und schaut euch bewusst in die Augen. Wenn dein Partner/ Partnerin etwas erzählt, höre aktiv zu. Frage bei jedem begonnenen Thema mindestens dreimal nach. Damit zeigst Du, dass Du wirklich interessiert bist und gibst der anderen Person den nötigen Raum, alles zu erzählen, was er/ sie dazu zu sagen hat. So fühlt sich jeder wahrgenommen. 

Um die andere Person nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu wertschätzen und zu bestätigen, gebe ihr Recht. Zeige deinem Gegenüber, dass Du sie und ihre Gefühle hörst und wahrnimmst. Auch hier könnt ihr euch an der Zahl 3 orientieren. Bestätige den Erzählenden mindestens drei mal.

Lasst euch mit diesen Leitregeln überraschen, was in beiden vorgeht. Was treibt gerade deinen Partner/ deine Partnerin wirklich um? Und merkt, wie ihr euch emotional näher kommt. 

Besorgt euch dieses Geborgenheitsgefühl, um euer Sexleben wieder zu erfrischen.  Oder, mit Friedrich Wilhelm Nitetzsche gesprochen: „Sex ist die Fortsetzung eines Gesprächs mit anderen Mitteln.“

3. Sexualität zur Priorität machen

Ihr habt nun akzeptiert, dass eure Sexualität sich ändert und fühlt euch eurem Partner durch gute Gespräche wieder nah? Dann kann es nun an die Wäsche gehen. Egal, wie das für euch aussieht. Wenn ihr eine lange Pause hattet, kann es helfen, euch langsam anzunähern und einfach mal wieder bewusst gemeinsam nackt zu sein. Ohne Penetration und Orgasmus.

Aber wann macht ihr das am Besten? Nach einem langen Tag im Job und/oder mit Kindern haben nur wenige Langzeitpaare abends um 23 Uhr noch die Kraft und Muße für Sex. Selbst nach einem kuscheligen sonntäglichen Fernsehabend möchte man meist nur noch schlafen.

Wie bei so vielen Dingen im Leben, muss man die Sachen, die man tun möchte, zur Priorität erheben. Auch Sex passiert nicht einfach so. Wenn die Beziehung bereits etwas älter, ist es wichtig, die gemeinsame körperliche Zeit zu planen. 

Überlegt euch: Wann verbringt ihr gemeinsam Zeit. Ohne hungrig oder müde zu sein? Vielleicht könnt ihr euch den Tatort nur jeden zweiten Sonntag angucken und statt dessen die zwei Stunden für Intimität nutzen? Identifiziert diese Zeiten und plant diese aktiv für eure Sexualität ein.

Sorgt dafür, wirklich ungestört zu sein und dass ihr an nichts anderes denken müsst. Wenn Kinder im Spiel sind, könnt ihr euch einen Babysitter engagieren und auswärts schlafen. Ja, Hotelzimmersex kann sehr aufregend sein. Und wenn ihr die Zweisamkeit genießt und nicht direkt übereinander her fallt, dann habt ihr trotzdem etwas für eure Beziehung und zukünftige Nähe getan.

4. Lange Beziehungen sexuell spannend halten - Ausprobieren statt Minimalkonsens

Pärchen nimmt sich Zeit für Berührungen

Aber was tun, wenn ihr euch die Zeit genommen habt, um intim zu sein. In langen Beziehungen haben sich Muster des Vorspiels und Sexualität etabliert. Das sind die bewährten, sicheren Handlungen die funktionieren, aber nicht wirkliche Highlights darstellen.

Eventuell gefällt auch einem von euch beiden der Ablauf nicht besonders, aber ihr habt euch nie getraut, dazu etwas zu sagen. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum ihr jetzt weniger aktiv seid? 

Um in Langzeitbeziehungen das Sexleben prickelnd zu gestalten oder wieder aufzufrischen, hilft eine gewisse Neugierde. Verändernde Bedürfnisse sind etwas Natürliches. Also warum dem Alten Hinterhertrauern? Ist es nicht spannend, gemeinsam herauszufinden, wie diese neue Phase des Lebens sich sexuell ausgestaltet?

Dabei gilt die Regel: Ausprobieren statt Minimalkonsens. Sprecht über eure Vorlieben und Fantasien. Und ganz wichtig: Schreckt nicht davor zurück, Inspiration von außen zu holen.

Ob Bücher, Spiele oder Filme: Vielleicht empfindet ihr plötzlich Praktiken spannend, bei denen ihr vor Jahren noch gegähnt oder als irgendwie merkwürdig, extrem oder skurril wahrgenommen habt. Vielleicht entdeckt ihr etwas, wovon ihr noch nie gehört habt.

Selbst wenn nur eine Person etwas ausprobieren möchte, solltet ihr euch gemeinsam daran wagen (vorausgesetzt, es werden keine persönlichen Grenzen überschritten). Ein wenig Reibung über die Ausgestaltung des Sex muss nicht schlecht sein. Das kann zu positiver Spannung führen. Sprecht dabei wertschätzend miteinander, formuliert Wünsche statt Vorwürfe und lobt jede Kleinigkeit, die der Andere/ die Andere richtig macht oder gemacht hat.

Denn Spannung ist das Gegenteil von Langeweile. Und Minimalkonsens im Bett hat bisher noch niemanden vor Aufregung stöhnen lassen. Euer Sexualleben muss nicht politisch korrekt sein. Es muss nur zu euch passen und nur euch persönlich anregen.

Diese Quellen sind ein guter (Neu-) Startpunkt um die Sexualität in Langzeitbeziehungen neu zu entfachen:

Lange Beziehungen und erfüllender Sex - kein Widerspruch!

Das Sexualleben in Langzeitbeziehungen ist ein unterbelichtetes Thema. So werden in Filmen häufig nur Sexszenen von frischen Lovern gezeigt oder angedeutet. Wenn dann zusätzlich das eigene Kopfkino angeht und man davon ausgeht, dass alle anderen Pärchen aufregenderen und prickelnderen Sex haben, baut das unnötig Druck auf. Denn Studien zeigen: die meisten Langzeitbeziehungen haben (lange) Pausephasen im Bett.

Es ist völlig normal, dass sich Frequenz und Form des Liebesspiels im Laufe der Beziehung ändern. Das zu akzeptieren ist der erste Schritt, um wieder ein befriedigendes Sexleben zu entwickeln.

Mit guten Gesprächen, Inspiration von außen und geplanten Zeiten für das gemeinsame Nacktsein haben Du und dein Partner/ Partnerin alle Werkzeuge in der Hand, um den veränderten Bedürfnissen beider gerecht zu werden.

Gerne stehen ich Ihnen beratend zur Seite.

Herzlich,

Yvonne C. Beuckens

Klärungsbegleiterin, Paartherapeutin, Liebeskummerexpertin, Mediatorin für Trennungen.

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Yvonne C. Beuckens | Kurzzeittherapie, Coaching, Paar- und Sexualtherapie in Bad Nauheim

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