Wann und wie trenne ich mich? – Phasen einer Trennung

Wann sollte man sich trennen? Soll ich mich trotz Liebe trennen? Soll ich mich trotz gemeinsamer Kinder trennen? Wie beende ich überhaupt eine Beziehung richtig? Und wie gehe ich mit Trennungsschmerzen um?

Hier stelle ich Dir einen Leitfaden für Menschen in Beziehungskrisen die über eine Trennung nachdenken vor. Ich führe Dich Schritt für Schritt durch einen Klärungsprozess. Inklusive Tipps um zu überprüfen wo Du mit der Beziehung stehst, einem Rezept für Trennungsgespräche und den ersten Tipps für den Liebeskummer danach.

Phasen einer Trennung

Trenne ich mich überhaupt?

Oft begleite ich im Coaching Menschen, die für sich wissen wollen, ob eine Trennung wirklich der nächste Schritt sein soll. Sie zweifeln, sind nicht glücklich, lieben aber den anderen Menschen noch und/ oder sind durch das gemeinsame Leben und die Familie auf vielen Ebenen mit ihm/ihr verbunden. Als erstes hilft hier eine Standortbestimmung. 

  1. Mach Dir bewusst, dass Du eine Entscheidung über die Zukunft Deiner Beziehung treffen willst. Dies ist nichts Vorübergehendes, kein Tief, sondern ein Wendepunkt. Formuliere sehr konkret, welche Entscheidung Du treffen willst: Das kann sein „Ich trenne mich oder akzeptiere, dass er/sie den Toilettendeckel nie runter klappt/schlecht zuhören kann/meine beste Freundinnicht mag/merkwürdige Hobbies hat.“ oder „Ich bleibe bei ihm, auch wenn er keine Kinder haben möchte/ mich betrogen hat/ es noch andere tolle mögliche Partner gibt.“
  2. Überlege Dir, wer an der Entscheidungsfindung beteiligt sein soll. Das kann ein Coach, ein:e Therapeut:in, die beste Freundin, ein Tagebuch oder ganz jemand anderes oder alles sein.
  3. Sammle Informationen, analysiere und bewerte Optionen, überlege, was Dir Angst oder Sorgen bereitet. Inhaltlich kann das sein, dass Du mal durchrechnest, wie Du alleine klarkommen würdest, Dir eventuell Wohnungen anschaust. Es kann bedeuten, dass Du Dich anwaltlich beraten lässt oder Dir Bücher kaufst, wie man Kindern eine Trennung vermitteln kann. Auf der Gefühlsebene bedeutet es oft, Dich mit Ängsten vor dem alleine sein ebenso auseinander zu setzen wie mit den Sorgen, wie es Dir in der Beziehung gehen wird, wenn Du bleibst. Oft schrecken meine Klienten vor solchen konkreten Fragen zurück-sie befürchten, dass ein Durchrechnen der Finanzen oder ein Anwaltstermin die Trennung vorantreibt. Eventuell schneller als es Dir emotional lieb wäre. Mein Argument dazu ist: Mach Dir klar, was eine Trennung bedeutet, am besten bis zu dem Punkt wo Du spürst, dass Du auch alleine klarkommen würdest. Erst dann kannst Du Dich auch wirklich frei dafür entscheiden bei Deiner Partner:in zu bleiben.
  4. Typische Entscheidungsfehler (kognitive Verzerrungen) bewusst vermeiden. Bist Du gerade wütend? Hattet ihr einen Streit, hast Du gerade beruflich viel Stress oder ist eine:r von euch beiden fremd gegangen? Hat eine:r von euch beiden gerade oder kürzlich mit gesundheitlichen Beschwerden zu tun gehabt? Es gibt etwas wie „maßvolles Durchhalten“ in schlechten Phasen einer Beziehung. Wende Dich den Problemen zu, geht eventuell nochmal einzeln oder gemeinsam in eine Paarberatung um euch zu sortieren und die eigenen Anteile an der Situation klar zu bekommen. So gebt ihr dieser, aber auch jeder eventuell folgenden Beziehung die Chance, aus den aktuellen Themen gestärkt hervor zu gehen.

Wie gehe ich bei einer Trennung vor?

Du hast die Punkte 1-4 hinter Dich gebracht. So langsam gibt es keine neuen Informationen mehr und Du hast schon ein bestimmtes Bauchgefühl.

  1. Entscheiden. Das ist ein einfaches Wort. Oft braucht der Prozess der Abwägung und des Vorbereitens allerdings Wochen bis Monate. Es kann sein, dass Du anfängst Dir Vorwürfe zumachen, dass Du Dir nicht schneller klar wirst. Oder dass Deine Freunde angefangen etwas weniger Verständnis für deine Denkschleifen zu entwickeln. Eventuell bemerkst Du wie Dein:e Partner:in unter der Situation leidet. Du leidest wahrscheinlich auch. Begleite Dich selbst hier achtsam und liebevoll, such Dir Unterstützung. Dass Du Dir diesen Prozess nicht leichter machen kannst liegt auch daran, dass Dir der andere Mensch, das gemeinsame Leben, viel bedeutet. Es ist ok, dafür Zeit zu brauchen und sorgfältig zu sein.

Anregungen zur Standortbestimmung die hier nochmal hilfreich sein können:

    • Höre Dir selbst beim Reden zu. Redest Du immer mehr von „ich“ statt von „wir“? Dann befindest Du Dich wahrscheinlich in einem Ablöseprozess.
    • Denk mal an euer Kennenlernen, daran, was Dich an ihm/ihr fasziniert und angezogen hat, an eure ersten schönen Momente. Wenn es Dir schwer oder gar nicht möglich ist, auf diese positiven Erinnerungen und Gefühle zuzugreifen seid ihr schon sehr weit voneinander entfernt. 
    • Mach Deiner Partnerin/ Deinem Partner ein Kompliment. Spür mal nach, ob Du das überhaupt schaffst und wie es sich für Dich anfühlt. Und dann schau mal, wie sie/er darauf reagiert. Wenn selbst das keinen Moment guter Stimmung zwischen euch schaffen kann hilft Dir das bei der Entscheidungsfindung.
  1. Entscheidung kommunizieren: für das Überbringen schlechter Nachrichten gibt es gut wissenschaftlich überprüfte Regeln. Du machst es Dir und Deinem Gegenüber leichter, wenn Du Dich an ihnen orientierst.

Das erste Trennungsgespräch ist eigentlich eine Trennung-Mitteilung. Das bedeutet, es dauert nicht lang. Für Dein Gegenüber und vielleicht auch für Dich ist es eine hochemotionale, eventuell eine schockierende Situation. In solch einer Gefühlslage ist man nicht fähig, inhaltlich-planerisch sinnvolle Gespräche zu führen. Zum einen vergisst man die Inhalte wieder, weil das Gedächtnis im Ausnahmezustand nur wenig aufnahmefähig ist. Zum anderen gerät das Gespräch schnell zu einem Tauziehen aus Versprechungen und Rechtfertigungen. Du teilst Dich also am besten erst einmal nur kurz mit. Dabei ist aus meiner Erfahrung heraus folgender Ablauf hilfreich: 

  1. Sorge für eine ruhige Umgebung. Ihr solltet beide nicht übermüdet sein und in absehbarer Zeit nichts vorhaben. Organisiere gegebenenfalls dir Kinder weg
  2. Gib der anderen Person die Möglichkeit sich innerlich zu wappnen. Sag sowas wie: „Ich möchte gerne mit Dir reden. Es sind keine guten Neuigkeiten. Passt es jetzt für Dich? Wollen wir uns dazu setzen oder ist Dir etwas anderes lieber?“
  3. Teile Dich mit. Kurz. In Vollsätzen ohne viele Füllworte. Beispielsweise: Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass sich zwischen uns etwas verändert hat. Ich habe gründlich darüber nachgedacht. Ich möchte mich von Dir trennen. Es passt für mich nicht mehr. Ich sehe keine gemeinsame Zukunft.
  4. Optional: Natürlich bin ich als Elternteil weiterhin für Dich und die Kinder da. Lass uns beide mal drüber nachdenken, wie wir alles Weitere gestalten und die Trennung abwickeln wollen. Ich würde mich dazu gerne in xx Tagen zusammensetzen.

Das war’s. Maximal 5 Minuten. Das ist bereits viel zu verarbeiten. Verlass nun bitte das Setting. Lass der anderen Person Raum zum Begreifen und gib ihn Dir auch selbst. Du kannst hier nicht trösten, denn Du bist der Auslöser des Schmerzes und wärest aufgrund auch deiner emotionalen Situation damit gegebenenfalls auch heillos überfordert. 

Ein gemeinsames Gespräch über die Details und auch mit den Kinder, wenn ihr welche habt, folgt mit einigem zeitlichen Abstand.

Wie geht es nach der Trennung weiter?

  1. Entscheidung umsetzen

Suche Dir eventuell einen anderen Schlafplatz. Im Haus oder außerhalb. Für einige Tage erstmal oder für länger. Verabredet euch für Planungsgespräche. Eventuell an neutralen Orten. Überfordert euch hier nicht, haltet die Gespräche kurz, 30 Minuten sind ein guter Rahmen. Besprecht euch, wie ihr es gemeinsam den Kindern mitteilen wollt, auch da gibt es hilfreiche Leitfäden. In kürze: Gemeinsam, ohne Schuldzuweisung, sagt den Kindern, dass ihr sie liebt und dass sie nicht schuld sind. Sagt ihnen, dass ihr weiter für sie da seid und beginnt umgehend mit neuen Ritualen, insbesondere, wenn schon eine:r von euch ausgezogen ist. Bleibt nach dem Gespräch noch einige Stunden in der Nähe und ansprechbar.

Wenn ihr nicht zusammen wohnt und Du hast die Trennungsmitteilung gemacht, kannst Du wenn Du möchtest auch noch ein Gespräch mi einigem Abstand anbieten. Je nachdem wie ihr zueinander steht kann das euch beiden helfen besser in die Zukunft zu starten. Ghosting oder Schluss machen ohne Begründung scheinen manchmal leichter, sind aber für Deine emotionale Reifung nicht ideal und hinterlassen beim anderen unnötig tiefe Wunden. Solltest Du allerdings begründet Angst vor Eskalationen haben, wenn du Dich trennst, dann schütze Dich gut. In diesem Fall ist telefonisches Schluss machen und keine privaten Treffen mehr definitiv erlaubt.

Nächsten Monat erfährst Du hier, was bei Liebeskummer hilft.

Ich stehe Ihnen gerne in den unterschiedlichen Phasen beratend zur Seite. Erst einmal hoffe ich aber, dass die Anregungen hier ein Stück weit hilfreich sind. 

Herzlich,

 

Yvonne C. Beuckens

Klärungsbegleiterin, Paartherapeutin, Liebeskummerexpertin, Mediatorin für Trennungen.

 

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Yvonne C. Beuckens | Kurzzeittherapie, Coaching, Paar- und Sexualtherapie in Bad Nauheim

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